Gesundheitstage Paderborn
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Prof. Dr. Wolfgang Petermann

15:00 - 15:30 Uhr

Probleme des Passivrauchens

Prof. Dr. med. Wolfgang Petermann,
Chefarzt Medizinische Klinik

Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn

 


Vortrag für Besucher im Rahmen des Gesundheitstages 10.11.2007

 

PASSIVRAUCHEN 

 

Bereits 1974 erschienen die ersten Arbeiten, in denen wissenschaftlich exakt nachgewiesen wurde, dass Passivrauchen ein deutlich erhöhtes Gesundheitsrisiko für Menschen darstellt. Lange wurden diese Ergebnisse angezweifelt oder verschwiegen, was im Interesse sowohl der Tabakindustrie als auch vieler aktiver Raucher lag und bis heute liegt. Dabei sind die inzwischen zahlreich vorlie­genden Daten wissenschaftlich so eindeutig, dass in den letzten Jahren weltweit auch die Politik reagieren musste und mit aktivem Nichtraucherschutz begann. Leider geschieht dieses mit sehr unterschiedlicher Intensität. Deutschland legt beim Erlass gesetzlicher Bestimmungen im Vergleich zu vielen anderen Ländern (z.B. Finnland, Italien, Irland, England) nur ein geringes Tempo an den Tag, Nordrhein-Westfalen gehört bedauerlicherweise zu den langsamsten. In unserem Bundesland gibt es bis zum heutigen Tage lediglich Absichtserklärungen zum Nichtraucherschutz. Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass einzelne Institutionen (z.B. Kreis und Stadt Paderborn) vorangehen und von sich aus initiativ wurden.

 

Im Zigarettenrauch befinden sich ca. 4.000 giftige Substanzen, von denen mehrere hundert krebserregend sind. Beim Tabakrauch werden die Haupt- und Nebenströme unterschieden. Als Haupt­strom wird der Rauch bezeichnet, der durch die Zigarette/Zigarre/Pfeife inhaliert und dann wieder in die Umgebung ausgeatmet wird. Der Nebenstrom gelangt durch das Abbrennen des Tabaks direkt aus der Glut in die Umwelt. In diesem Nebenstrom sind zahlreiche krebserregende Substanzen (z.B. Polonium 210, Formaldehyd, Benzpyrene ) sehr viel stärker konzentriert als im Hauptstrom. Deswegen ist die oft geäußerte Behauptung, der Passivraucher sei im Vergleich zum Aktivraucher nur einem Bruchteil der toxischen Substanzen ausgesetzt, falsch und unsinnig. Zahlreiche wissenschaftlich Untersuchungen, die in den letzten drei Jahrzehnten veröffentlich wurden, belegen zweifelsfrei, dass durch Passivrauchen die Gefahr ansteigt, Lungenkrebs, Asthma oder eine chronische Bronchitis zu bekommen. Möglicherweise nimmt ebenfalls das Risiko für Gefäßschäden zu, z.B. das Risiko für einen Herzinfarkt. Besonders empfindlich gegenüber den Inhaltsstoffen des Tabaks ist das Kind im Mutterleib. Die Tatsache, dass auch mütterliches Passivrauchen in der Schwangerschaft schädlich für das ungeborene Kind ist, wurde in den letzten Jahren wissenschaftlich belegt.

 

Menschen, die Mitmenschen gegen deren Willen Tabakrauch aussetzen, belästigen diese nicht nur durch den Geruch, sie betreiben bei genauerer Betrachtung auch direkt eine Körperverletzung. Deswegen sind die andernorts vorgenommen restriktiven Maßnahmen zum Nichtraucherschutz nicht übertrieben, sondern zwingend nötig. Würde sich diese Überzeugung in den Köpfen der Verantwortlichen festsetzen und würden dann die notwendigen Schritte konsequent umgesetzt, bliebe vielen Men­schen durch Passivrauchen hervorgerufenes gesundheitliches Leid erspart.

 

Prof. Dr. Wolfgang Petermann
Medizinische Klinik                                                                                                               Brüderkrankenhaus St. Josef

 


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