Werte - Struktur - Zukunft. Unter diesem Motto luden die beiden katholischen Paderborner Krankenhäuser im letzten Jahr zum 1. Gesundheitstag ins Heinz Nixdorf MuseumsForum.
Das Brüderkrankenhaus St. Josef und die St. Vincenz-Krankenhaus GmbH nahmen den ersten Geburtstag ihrer Kooperation zum Anlass, um ihr breites Leistungsspektrum gemeinsam öffentlich zu präsentieren. Mit insgesamt 50.219 Patienten pro Jahr, 1.302 Betten, 3.078 Mitarbeitern und 150 Mio. € Umsatz decken die Kooperationspartner mit ihren jeweiligen Partnerhäusern, dem
St.-Marien-Hospital Marsberg und dem St. Josefs-Krankenhaus Salzkotten gut 70 Prozent der stationären Regel- und Schwerpunktversorgung der Region ab.
Blutdruck, Balance und Babypuppen
1.500 Besucher informieren sich in der großzügigen Industrieausstellung in der Eingangshalle des Forums, lassen am Stand des Brüderkrankenhauses Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin messen, und probieren die von Diabetesberaterin Mathilde Schäfers vorbereiteten gesunden Dips. Am Stand des Gesundheitszentrums versuchen Groß und Klein auf dem Balancetrainer das Gleichgewicht zu halten. Auf dem Hindernisparcours kann man trainieren, auf wackeligem Untergrund zu laufen und damit seine Propriorezeptoren zu schulen.
Über den theoretischen Hintergrund dieser Übung referiert unterdessen Dr. Wilhelm Dée, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie. Sein Vortrag über Sportverletzungen ist einer von zwölf medizinischen Programmpunkten, die die Chefärzte beider Häuser zum Gesundheitstag vorbereitet haben. Der unmittelbare Dialog zwischen Ärzten und Laien ist sicher das Erfolgsrezept des Gesundheitstages.
Die Krankenpflegeschule nutzt die Plattform, um ein Projekt zum rauchreduzierten Krankenhaus zu starten. Hausoberer Br. Rainer und Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Wolfgang Petermann bekunden spontan großes Interesse an der Umsetzung der Kampagne. Am Stand der Pflegenden gönnen sich einige Besucher eine Verschnaufpause im Hightech-Intensivbett. Beim Wiederbelebungstraining für Notärzte frischen Laien das Gelernte aus dem Erste-Hilfe-Kurs wieder auf.
Die Aufteilung der Fachbereiche zwischen den beiden katholischen Krankenhäusern spiegelt sich auch an den Ständen wieder. Die Hebammen des St. Vincenz-Krankenhauses präsentieren neuste Trends rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt. Ebenfalls am „Vincenz“ angesiedelt ist die Notfallversorgung von Patienten mit Schlaganfall und Herzinfarkt, während das Brüderkrankenhaus St. Josef die pneumologische und urologische Notfallversorgung sicherstellt.
Agieren statt Reagieren
Dass sie ihr Schicksal lieber selbst in die Hand nehmen, betonen der stellvertretende Kaufmännische Direktor des Brüderkrankenhauses St. Josef, Siegfried Rörig und der Hauptgeschäftsführer der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH Dr. Josef Düllings. Beide ziehen eine positive Bilanz der Kooperation. Auch vor der offiziellen Vertragsunterzeichnung am 18. Oktober 2005 im Paderborner Rathaus, arbeiteten die beiden Häuser bereits zusammen, beispielsweise bei der gemeinsamen Facharztausbildung in der Anästhesiologie oder der sauberen Aufteilung der Fachbereiche. „Es gibt kein medizinische Wettrüsten mehr“, so Rörig.
Ein kooperatives Darmzentrum wurde gegründet und beide Krankenhäuser sind als einzige im Kreis Akademische Lehrkrankenhäuser. Nicht ohne Stolz verweisen die beiden Verwaltungschefs auf die Gründung der B+V Zentrallabor GmbH. „Fünf Millionen Euro Aufwand, aus Eigenmitteln finanziert, keine Auslagerung aus dem Krankenhausverbund und eine Weiterbeschäftigung aller Arbeitnehmer mit sozial gesicherten Verträgen.“
2007 planen die Kooperationspartner die Einrichtung eines Darmzentrums. Bis zum Jahr 2020 hochgerechnet sehen Düllings und Rörig im Kreis Paderborn 12.000 zusätzliche Patienten. So könnte man eigentlich recht zuversichtlich in die Zukunft schauen. Beide wollen sich von der unberechenbaren Politik nicht beirren lassen und verkünden. „Wir gestalten unsere Zukunft“.
Den viel beklatschten Festvortrag hält Prof. Dr. Peter Schallenberg, Ordinarius der Theologischen Fakultät Fulda, über Wirtschaftlichkeit und Werte- die Zukunft des Unternehmens Krankenhaus.
| Gesundheitstag_2006_in_der_Visite_4-2006.pdf |