Gesundheitstage Paderborn
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Abschlussvortrag



Gesundheitstag_2007_-_Vortrag_Dr._Luetz.pdf


Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz

Vorsicht: Lebenslust das neue Buch von Manfred Lütz ist ein lustvoll-satirischer Großangriff auf den weltumspannenden Gesundheits-, Fitness- und Schönheitskult; es könnte sein, dass dem Leser lieb gewordene Vorurteile abhanden kommen. Aber kann denn einer im Ernst etwas gegen „Gesundheit“ haben? 

 

Fest steht: Nichts ist so krank wie unser Gesundheitssystem. Die Gesundheit geht uns über alles; sie ist zu einem unbeherrschbaren Moloch geworden, der den Staatshaushalt auffrisst und vor dem die Politiker in die Knie gehen. Und auch sonst machen wir alles, damit unsere Körper nur ja funktionieren und wir dem Altern, dem Schmerz und dem Tod ein Schnippchen schlagen: Weg mit den Speckwülsten an der Hüfte! Silicon in die Brüste! Liposome in die Falten! Collagen in die Oberlippe! Mit verbissenem Ernst unterziehen wir uns Wahnsinns-Diäten, bräunen wir uns den Krebs in die Haut und laufen uns die Lunge aus dem Leib – mit durchaus zweifelhaftem Erfolg. Der Lohn der Tortur sind Waschbrettbäuche, braun gebrannte Zombies, muskelbepackte Nichtse und geliftete Tanten. Von Lachen, Freude, übersprudeln­der Lebenslust keine Spur!

 

Ebenso scharfsinnig wie unterhaltend entlarvt der Arzt und Theologe Manfred Lütz „Gesundheit“ als eine fundamentalistische, durchgeknallte Religion mit geradezu Menschen verachtenden Folgen: Unsere Vorfahren bauten Kathedralen, wir bauen Kliniken, in denen weißkittelige Hohepriester walten. Unsere Vorfahren machten Kniebeugen, wir machen Rumpfbeugen. Unsere Vorfahren retteten ihre Seele, wir unsere Figur. Alle Bodypropheten und Gesundheitsapostel haben den Spaß im Mund, die Verheißung unendlichen Vergnügens, den endgültigen Fun. Keine Frage, wir haben eine neue Religion: die Gesundheitsreligion.

 

Was diese Religion betrifft, ist Lütz Atheist. Er hält die Gesund­heitsreligion erstens für albern, zweitens für anstrengend, drittens für ruinös teuer und viertens für lebensgefährlich  und überhaupt für eine abscheuliche Sekte.

Die Lektüre des Buches ist höchst amüsant, doch dem Leser vergeht zwischenzeitlich das Lachen, wenn Lütz auf die Horrorszenarien und ethischen Folgewirkungen der modernen Biomedizin zu sprechen kommt (kann die „Ethik des Heilens“ lebensgefährlich werden?) oder Klartext zur gegenwärtigen Euthanasiedebatte redet.

 

Die zentrale Frage von Lütz lautet: Was darf auf dem Altar der Gesundheit geopfert werden? In seinem brillanten Essay nimmt Lütz Abschied von der postmodernen Gesundheitsreligion und plädiert für einen grundlegenden Perspektivenwechsel, der Krankheit, Alter, Behinderung, Schmerz und Tod nicht ausgrenzt, sondern in ein ganzheitliches Verständnis vom Menschen integriert. Dazu unternimmt er – immer auf der Suche nach der verlorenen Lust am Leben – spannende und humorvolle Ausflüge in Philosophie, Geschichte und Religion. „LebensLust“ ist ein Buch, das Lust macht. Aber es bietet nicht nur eine entlarvende Satire unserer Gesundheitsgesellschaft, es sagt auch, wie es anders gehen könnte: „LebensLust“ entfaltet nicht zuletzt ein fesselndes und fundiertes spirituelles Lebenskonzept.

 

An diesem fulminanten Buch werden sich die verbissenen „Apostel“ der Gesundheitsreligion die Zähne ausbeißen. Lütz schlachtet die Heiligen Kühe gleich reihenweise und verstößt gegen alle Regeln der political correctness.

 


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